
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt mit enormer Geschwindigkeit. Viele Unternehmen stehen heute vor der Frage, ob sie neue Mitarbeiter einstellen, bestehende Teams weiterentwickeln oder bestimmte Tätigkeiten durch KI automatisieren. Diese Entwicklung ist weder grundsätzlich schlecht noch grundsätzlich gut. Entscheidend ist, mit welcher Haltung Unternehmen KI einsetzen.
Bei FLEETIZE sehen wir KI als Werkzeug. Als sehr digitales Unternehmen nutzen wir KI aktiv. Aber für uns ist klar: KI soll Menschen unterstützen, nicht pauschal ersetzen. Sie soll Mitarbeiter entlasten, wiederkehrende Aufgaben reduzieren und Freiräume schaffen, damit sich Menschen auf wertvolle Tätigkeiten konzentrieren können: Kundenverständnis, Problemlösung, Qualität, Verantwortung, Kreativität und echte Verbesserung.
Was wir kritisch sehen, ist eine andere Entwicklung: die Idee von Ein-Mann-Unternehmen ohne Mitarbeiter. Man hört zunehmend Begriffe wie „Zero Employment“ oder „One Man Billion Dollar Company“, also Unternehmen, die möglichst hohe Umsätze mit möglichst wenigen oder gar keinen Beschäftigten erzielen wollen. Kurzfristig mag das aus betriebswirtschaftlicher Sicht attraktiv wirken. Gesellschaftlich ist es jedoch brandgefährlich. Denn Unternehmen existieren nicht im luftleeren Raum. Sie profitieren unter anderem von Infrastruktur, Kaufkraft und einem funktionierenden sozialen Umfeld. Wer nur Umsätze abschöpft, aber keine Arbeitsplätze mehr schaffen will, entzieht sich einem Teil dieser Verantwortung. Machen das alle Unternehmen genauso, vernichten wir die Grundlage einer Unternehmung.
Arbeitsplätze sind mehr als Kostenstellen
Ein Arbeitsplatz ist nicht nur eine Position in einer Kostenrechnung. Ein Arbeitsplatz bedeutet Einkommen. Einkommen bedeutet Konsum. Konsum bedeutet Nachfrage. Und Nachfrage ist wiederum die Grundlage für andere Unternehmen.
Wenn Unternehmen in großer Breite Arbeitsplätze abbauen, weil KI vermeintlich günstiger ist, entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Menschen verlieren Einkommen, konsumieren weniger, andere Unternehmen verlieren Umsatz, investieren weniger, bauen ebenfalls Stellen ab. Und am Ende leidet die gesamte Wirtschaft.
Das ist der Punkt, der in der aktuellen KI-Debatte häufig zu kurz kommt. Es geht nicht nur darum, ob ein einzelnes Unternehmen kurzfristig effizienter wird. Es geht darum, was passiert, wenn sehr viele Unternehmen gleichzeitig dieselbe Entscheidung treffen.
Ein theoretisches Beispiel aus Baden-Württemberg
Baden-Württemberg hatte im 4. Quartal 2024 rund 6,46 Millionen Erwerbstätige. Der Dienstleistungsbereich umfasste rund 4,48 Millionen Personen. Das Produzierende Gewerbe einschließlich Bau lag bei etwa 1,91 Millionen Erwerbstätigen. Das Delta von 2,57 Millionen Erwerbstätigen ist demnach nicht im Produzierenden Gewerbe und somit potenziell von der "KI-Revolution" betroffen.
Nehmen wir rein theoretisch und bewusst konservativ an, dass 10 % der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich durch KI ersetzt würden. Dann sprechen wir nicht über ein paar Einzelfälle, sondern über rund:
448.000 potenziell betroffene Arbeitsplätze
Zum Vergleich: Im Jahresdurchschnitt 2024 waren in Baden-Württemberg rund 270.000 Menschen arbeitslos; die Arbeitslosenquote lag bei 4,2 %.
Das bedeutet: Ein theoretischer Wegfall von 448.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen wäre größer als die gesamte damalige Zahl der Arbeitslosen in Baden-Württemberg. Natürlich ist diese Rechnung keine Prognose. Sie ist ein Gedankenmodell. Aber sie zeigt die Größenordnung, über die wir sprechen müssen und ist unabhängig tatsächlicher Zahlen, da wir ohnehin von konservativen und unrealistischen 10% Betroffenen sprechen. Aktuelle Zahlen sprechen bereits darüber, dass 23% aller Positionen ersetzt werden könnten (Quelle: ZEIT.de).
Wichtiger Disclaimer: Diese Beispielrechnung ist eine theoretische Annahme und keine Vorhersage. Sie unterstellt nicht, dass diese Arbeitsplätze tatsächlich kurzfristig wegfallen. Sie zeigt lediglich, welche Größenordnung bereits bei einer sehr konservativen Annahme entstehen könnte. Gleichzeitig ist realistisch, dass KI langfristig deutlich mehr als 10 % vieler wissensbasierter Tätigkeiten technisch beeinflussen kann - insbesondere dort, wo Aufgaben stark standardisiert, datenbasiert oder repetitiv sind.
KI wird bestimmte Tätigkeiten ersetzen - und das ist nicht immer falsch
Wir dürfen die andere Seite nicht verschweigen: Es gibt Tätigkeiten, die durch KI sinnvoll automatisiert werden können und teilweise auch automatisiert werden müssen.
Viele Unternehmen erleben heute, dass einfache Büro- und Unterstützungstätigkeiten schwer wirtschaftlich darstellbar sind. Bewerber haben teilweise Gehaltsvorstellungen, die für bestimmte Aufgabenbereiche nicht mehr zu den erzielbaren Ergebnissen passen. Gleichzeitig steigen Lebenshaltungskosten, Löhne und betriebliche Belastungen. Unternehmen geraten dadurch unter Druck.
Gerade bei wissensbasierten Routinetätigkeiten, wie zum Beispiel einfache Recherche, Vorstrukturierung von Dokumenten, Standardantworten, einfache Auswertungen, Datenaufbereitung, administrative Routineaufgaben oder vorbereitende Buchhaltungsprozesse, ist KI oft schneller, günstiger und zuverlässiger als ein rein manueller Prozess.
Das muss man ehrlich sagen: Nicht jede Tätigkeit, die früher ein Arbeitsplatz war, wird dauerhaft ein Arbeitsplatz bleiben. Fortschritt hat immer bestimmte Aufgaben verändert oder ersetzt.
Der Unterschied liegt aber in der Zielsetzung: Setzt ein Unternehmen KI ein, um Mitarbeiter zu entlasten, Qualität zu steigern und wirtschaftlich stabiler zu werden? Oder setzt es KI ein, um Menschen möglichst vollständig aus dem Unternehmen zu entfernen?
Das eine ist verantwortungsbewusste Modernisierung. Das andere ist gesellschaftliche Entkopplung.
Die neue Form der Verantwortungslosigkeit
Unternehmer, die konsequent auf eine Null-Angestellten-Strategie setzen, erinnern an eine Entwicklung, die wir bereits aus anderen Bereichen kennen: Unternehmen oder Unternehmer, die in Deutschland Umsätze erzielen, aber ihre Verantwortung möglichst auslagern - etwa durch Sitzverlagerungen, Steueroptimierung oder extreme Entkopplung vom Standort.
Die neue Generation dieser Haltung könnte lauten: Umsatz hier, Verantwortung nirgends.
Natürlich muss jedes Unternehmen effizient arbeiten. Natürlich darf und muss man moderne Technologie nutzen. Aber ein Unternehmen, das bewusst darauf optimiert, keinerlei Arbeitsplätze mehr zu schaffen, obwohl es wirtschaftlich dazu in der Lage wäre, stellt sich außerhalb eines fairen gesellschaftlichen Gleichgewichts.
Diese Haltung muss man kritisch benennen dürfen.
Unser Verständnis bei FLEETIZE
FLEETIZE ist ein digitales Unternehmen. Wir entwickeln Software, automatisieren Prozesse und setzen KI dort ein, wo sie sinnvoll ist. Wir nutzen KI in der täglichen Arbeit, in der Analyse, in der Kommunikation, in der Prozessverbesserung und in der Unterstützung operativer Tätigkeiten.
Wir lieben KI und schaffen aktuell nie vorher erdachte Dinge - zu unserem Nutzen wie auch zum Nutzen unserer Kunden. Wir liefern bereits und werden in Zukunft spannende neue Features liefern, die nur mit KI möglich geworden sind!
Aber unser Ziel ist nicht, Menschen durch KI zu ersetzen, vorallem nicht Mitglieder aus dem FLEETIZE-Team. Unser Ziel ist es, Mitglieder des FLEETIZE-Teams wie auch unsere Kunden mit KI stärker zu machen und sie von repetitiven Tätigkeiten zu befreien.
KI kann dabei helfen, Fleißarbeit zu reduzieren. Sie kann Vorlagen erstellen, Daten strukturieren, Routinefälle vorbereiten, Ideen liefern, Texte verbessern oder Zusammenhänge sichtbar machen. Dadurch gewinnen Mitarbeiter Zeit und Konzentration für Aufgaben, die wirklich zählen: bessere Kundenbetreuung, bessere Entscheidungen, sauberere Prozesse, mehr Verantwortung und mehr persönliche Entwicklung.
Wir glauben: Gute KI-Nutzung bedeutet nicht, Menschen überflüssig zu machen. Gute KI-Nutzung bedeutet, Menschen von unnötiger Belastung zu befreien.
Produktivität darf nicht zur sozialen Abrissbirne werden
Die zentrale Frage lautet nicht: "Kann KI diesen Job ersetzen?" Die bessere Frage lautet:
"Wie können wir KI so einsetzen, dass Unternehmen leistungsfähiger werden, ohne ihre gesellschaftliche Verantwortung zu verlieren?"
Wenn KI nur dazu dient, Lohnkosten zu senken, entsteht kurzfristig Effizienz, aber langfristig Instabilität. Wenn KI dagegen dazu dient, Mitarbeiter zu unterstützen, Unternehmen robuster zu machen und neue Wertschöpfung zu schaffen, kann sie ein echter Fortschritt sein.
Wir brauchen keine romantische Verklärung alter Arbeitsmodelle. Aber wir brauchen auch keine kalte Null-Angestellten-Ideologie.
Unternehmen haben eine Verantwortung gegenüber Kunden, Mitarbeitern, Familien, Regionen und der Gesellschaft. Diese Verantwortung endet nicht dort, wo eine Software eine Aufgabe günstiger erledigen kann.
Unsere Haltung
Wir bei FLEETIZE setzen auf KI. Aber wir setzen nicht auf eine Zukunft ohne Mitarbeiter. Wir setzen auf eine Zukunft, in der KI Menschen unterstützt, Arbeitsplätze sinnvoll weiterentwickelt und Unternehmen leistungsfähiger macht, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhang zu zerstören.
Denn am Ende gilt: Eine Wirtschaft ohne Arbeitnehmer ist auch eine Wirtschaft ohne ausreichend Konsumenten. Und eine Wirtschaft ohne Konsumenten ist keine stabile Wirtschaft.
Fortschritt ist wichtig. Effizienz ist wichtig. Digitalisierung ist wichtig. Aber Verantwortung ist es auch.
Gueven Oektem, CEO Fleetize GmbH
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